Schilddrüsenerkrankungen

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Schilddrüsenerkrankungen beim Pferd

Die gut durchblutete Schilddrüse bildet Hormone wie T3 und T4. Das Hormon TSH reguliert die Ausschüttung von T3 und T4. Diese Hormone beeinflussen den Sauerstoffverbrauch der Zellen, sie steuern den Energiestoffwechsel und beeinflussen das Herz-Kreislauf-System und den Magen-Darm-Trakt. Die Schilddrüse produziert ebenfalls Kalzitonin, welches ein Hormon ist, das knochenabbauende Zellen blockiert. Auch der Stoffwechsel wird durch die Schilddrüse reguliert, die Körperwärmeproduktion wird angeregt und das Wachstum bzw. die körperliche Entwicklung wird durch die Schilddrüse gesteuert. Außerdem wird in der Nebenschilddrüse das Hormon Parathormon gebildet, was den Kalziumspiegel im Blut regulieren kann. Parathormon (PTH) sorgt für stabile Knochen und für ein gutes Nervensystem.

Für eine gesunde Funktion der Schilddrüse wird ausreichend Jod benötigt, welches auch in der Schilddrüse gespeichert werden kann. Jod wird über die Nahrung über den Dünndarm aufgenommen, dann an die Blutbahn weitergegeben und anschließend von der Schilddrüse aufgenommen. Weil die Schilddrüse ein sehr gut durchblutetes Organ ist, können Jod und andere Stoffe sehr gut aus dem Blut entzogen werden und die synthetisierten Hormone (T3 und T 4) können wieder an das Blut abgegeben werden und stehen dann dem Körper zur Verfügung.

Wird die Schilddrüse fehlgesteuert, so können Schilddrüsenerkrankungen bei Pferden entstehen. Es kann sich durch den gestörten Hormonstoffwechsel eine Unterfunktion oder eine Überfunktion der Schilddrüse bilden. In manchen Fällen bildet sich ein Kropf, auch Struma genannt. Dies ist ein tastbarer dicker Knoten im Bereich der Kehle, der in den meisten Fällen durch Jodmangel in der Nahrung entsteht. Auch eine Fehlernährung durch zu viele Östrogene im Futter, kann einen Jodmangel nach sich ziehen. Durch die entstandene Östrogendominanz kann die Wirkung von Schilddrüsenhormonen T3 und T4 behindert werden.

Östrogene nehmen Pferde durch das Trinkwasser auf. Leider können bei der Trinkwasseraufbereitung nicht alle Östrogene komplett entfernt werden, so sind sie noch in kleinen wirksamen Mengen darin enthalten. Auch Pestizide, Insektizide und Fungizide können einen östrogenähnlichen Effekt auf den Körper des Pferdes haben. Des weiteren gibt es Stoffe in Futtermitteln oder Hautpflegesubstanzen, die ebenfalls einen östrogenähnlichen Effekt aufweisen können.

Bei einem Selenmangel kann die Schilddrüse ebenfalls eine Unterfunktion entwickeln, weil dann nicht genügend Jod in der Schilddrüse gespeichert werden kann. Ebenfalls, wenn das Pferd zu wenig Zink aufnimmt, kann der Selenwert im Blut sinken und beeinflusst dadurch die Schilddrüsenfunktion. Wenn zu viel Nitrat oder Fluorid aufgenommen wird, kann auch dies die Aufnahme von Jod hemmen. Bei Geschwulsten (Adenome oder Karzinome) der Schilddrüse können auch eine Fehlfunktion enstehen. Auch die Gabe von Cortison (zum Beispiel Dexamethason) kann zu Beeinträchtigungen führen, weil dann der Reverse T 3-Wert deutlich ansteigt.

Bei Jodmangel bildet sich ein Unterfunktion der Schilddrüse heraus. Eine verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen findet statt und dadurch können sich ein schlechter Appetit entwickeln, auch Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Fellwechselprobleme oder andere Fellauffälligkeiten, Ödeme/Schwellungen der Beine, die Haut ist tendenziell eher fettig bzw. teigig, Kropfbildung und Gewichtszunahme können vereinzelt auftreten.

Bei Jodüberschuss findet eine verstärkte Synthese von Schilddrüsenhormonen statt, dann können Pferde abnehmen, sie leiden unter innerer Unruhe und Anspannung, sie haben viel Durst und müssen deshalb öfters urinieren, auch Haut- und Fellprobleme treten auf, die Haut wirkt dünn, trocken und leicht schuppig und es kann sich, wie bei der Unterfunktion, ebenfalls ein Kropf bilden.

Die Fütterung

Die empfohlene Jodmenge für gesunde Pferde: Pro 100 kg Körpergewicht 0,4 mg Jod am Tag geben.

Östrogenhaltige Fütterung sollte in Grenzen gehalten werden: Roter Klee, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Traubensilberkerze, Luzerne, Hopfen und Soja enthalten sogenannte Phytoöstrogene bzw. östrogenähnliche Substanzen. Wer regelmäßig Luzerne verfüttert, sollte nicht mehr als 0,4 kg pro 100 kg Körpergewicht pro Tag verfüttern, damit die Hormon-Balance im Körper erhalten bleibt. Leinsamen nicht mehr als 10 Gramm pro Tag und 100 kg Körpergewicht geben, dann kann es auch dauerhaft verfüttert werden. Zur kurzfristigen Gabe nicht mehr als 20 Gramm Leinsamen pro 100 kg Körpergewicht und Tag verfüttern. Lavendelblüten und Hopfenblüten nur als Kur für wenige Wochen oder Monate verabreichen, da diese Blüten eine östrogenähnliche Wirkung im Körper aufweisen.

Hautpflegeprodukte mit fettem Lavendelöl oder ätherischem Lavendelöl enthalten ebenfalls Östrogene und sollten deshalb nicht dauerhaft auf die Haut aufgetragen werden. Für die Anwendung im Frühling und Sommer, kann man diese Öle schon verwenden. Für Herbst und Winter kann man auf andere Hautpflegeöle umsteigen.

Selen und Zink

Konventionelle Allroundmineralfutter enthalten üblicherweise Jod und zusätzliches Selen und Zink, damit ausreichend Jod vom Körper aufgenommen werden kann. Bei hautempfindlichen Pferden sind pflanzliche Vitamine und naturbelassene Mineralien sinnvoller, da synthetische Vitamine den Haustoffwechsel irritieren können. Dann kann man als Alternative Bierhefe wählen. Bierhefe enthält Zink und Selen, jedoch kein Jod. Eine natürliche Jodquelle, zum Beispiel in Form von Minidosen Seetang, dürfen dann hinzu gegeben werden. Von Bierhefe füttert man täglich mindestens 10- 20 Gramm pro 100 kg Körpergewicht. Bierhefe darf dauerhaft verabreicht werden, da es gut verträglich ist. Bierhefe enthält nur sehr wenig Gluten.


Meeresalgen/Seetang Ascophyllum nodosum bei Unterfunktion der Schilddrüse

Seetang/Meeresalgen enthalten extrem viel Jod und können bei einer Unterfunktion der Schilddrüse verfüttert werden. Meeresalgen sollten nicht dauerhaft verfüttert werden, weil sonst eine Überfunktion der Schilddrüse entstehen könnte. Empfehlenswert sind eine sechs Wochen Kur ein- bis zweimal pro Jahr. Pro 100 kg Körpergewicht wird täglich circa sechs Gramm Seealgen gegeben. Wer Algen dauerhaft verfüttern möchte, sollte täglich nicht mehr als 0,5 Gramm Seealgen pro 100 kg Körpergewicht geben. Nordische Pferderassen vertragen ein klein wenig mehr Jod als südländische Pferderassen. Algen sollten auf Schwermetalle untersucht werden, damit Sie den Körper des Pferdes nicht zu sehr belasten. Wer schon ein konventionelles Allroundmineralfutter verfüttert, sollte keinen zusätzlichen Seetang verfüttern, da das Pferd sonst zu viel Jod aufnimmt. Über die Nieren werden zwar 95 Prozent Jod wieder ausgeschieden, dennoch sollte man mit der Gabe von Jod vorsichtig sein.

Auch Blasentang oder Isländisch Moos sind sehr jodhaltig und können anstatt Ascophyllum Nodosum, auch Knotentang genannt, verfüttert werden. Vom Blasentang oder dem Isländisch Moos kann man täglich sechs Gramm pro 100 kg Körpergewicht verfüttern für insgesamt sechs Wochen. Auch Blasentang und Isländisch Moos darf nicht mehr als ein- bis maximal zweimal im Jahr als Kur verabreicht werden.

Isländisch Moos wird auch gerne bei Husten angewendet, da es viele schleimhautschützende Schleimstoffe enthält. In Kräutermischungen sind die Mengen an Isländisch Moos meist deutlich geringer, dann darf solch eine Kräutermischung auch mehrmals im Jahr angewendet werden.

Kleiner Hinweis am Rande: Chlorella-, Spirulina- oder Afaalgen sind Süßwasseralgen aus Teichen oder Seen und enthalten fast überhaupt kein Jod und dürfen deshalb längere Zeit und auch in größeren Mengen verfüttert werden (täglich sechs Gramm pro 100 kg Körpergewicht). Bitte darauf achten: Die Süßwasseralgen sollten keine schädlichen Mikrocystine enthalten, da diese giftig sind.

Wolfstrapp bei Überfunktion der Schilddrüse

Wolfstrapp vermindert die Bildung von Schilddrüsenhormonen und kann deshalb bei einer Überfunktion der Schilddrüse gegeben werden. Täglich können sechs Gramm Wolfstrapp pro 100 kg Körpergewicht für acht Wochen verfüttert werden. Den Wolfstrapp nach acht Wochen langsam aus dem Körper ausschleichen und in der neunten Woche nur noch fünf Gramm pro 100 kg Körpergewicht geben. In der zehnten Woche vier Gramm Wolfstrapp pro 100 kg Körpergewicht geben, in der elften Woche drei Gramm pro 100 kg Körpergewicht geben und in dieser Weise weiter verfahren, bis man den Wolfstrapp ganz ausgeschlichen hat. Wolfstrapp sollte nicht zusammen mit Schilddrüsenhormonpräparaten gegeben werden!

Bitte nicht vergessen: Sicherlich ist es sinnvoll Blutuntersuchungen vom Tierarzt durchführen zu lassen, damit man weiß, wann das Pferd richtig eingestellt ist.


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