Übersäuerung

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Übersäuerung (Azidose)

Der übersäuerte Organismus des Pferdes

Übersäuerung ist ein Ungleichgewicht des Säure-Basen-Haushaltes im Körper des Pferdes. Wenn im Körper zu viel Säure enthalten ist, spricht man von einem gestörten Säure-Basen-Haushalt und von Übersäuerung. Ein übersäuertes Pferd wirkt von außen müde, antriebsarm und energielos. Bei einem Säureüberschuß sind die Lunge, die Nieren, der Dünndarm und die Haut überlastet. Pferde die übersäuert sind haben einen stechend scharfen Uringeruch, außerdem ist der Körpergeruch leicht säuerlich.

Um den Säure-Basen-Haushalt in Balance zu halten, helfen bei der Regulation die Nieren, die Verdauung, die Hormonproduktion, die Atmung, die Haut und der Kreislauf. So wird der pH-Wert im Körper stabil gehalten und Säuren werden nach außen transportiert. Der pH-Wert des Blutes sollte beim Pferd bei 7,44 bis 7,45 liegen, damit das Pferd gesund bleibt.

Zu viel Säure gelangt in den Körper durch jahrelange überwiegende säurehaltige Fütterung und durch zu wenig basische Mineralien. Auch andere Faktoren können Säureüberschuß im Körper begünstigen, zum Beispiel ständige Angst des Pferdes, langfristige Depressionen, große Unruhe im Stall oder durch zu wenig Bewegung an frischer Luft.

Der Körper versucht dann die entstandenen Säuren zu neutralisieren und lagert sie im Bindegewebe ein, wenn er dauerhaft mit zu viel Säuren belastet wird. Auch in die Nieren und die Blase werden diese Säuren gepackt, wenn der Körper es nicht schafft alle Säuren aus dem Körper zu entfernen. Krankheiten der Haut (Mauke, Raspe, Sommerekzem), der Muskulatur, der Gelenke und auch allergische Erkrankungen können durch zu viel Säure im Körper gefördert werden, sind aber nicht immer der alleinige Auslöser dafür.

Die Fütterung

Bei der Fütterung ist zu beachten, dass das Calcium-Phosphor-Verhältnis im Gleichgewicht steht: Ungefähr zwei Teile Calcium und ein Teil Phosphor sind in der Ernährung des Pferdes wichtig.

Basenbildend sind Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium und Eisen. Säurebildend sind Phosphor, Jod, Chlor, Schwefel.

Eine basische Ernährung fördert die Knochendichte und sorgt für eine gute Knochenstabilität, für eine kräftige und elastische Muskulatur, für gesunde Nieren und eine reine schöne Haut.

Basenbildend sind unter anderem:

  • Kräuter und Früchte
  • gutes Heu
  • Futterkalk und/oder Dolomitgestein (Gesteinsmehl) oder Mineralfutter mit Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium und Eisen.
  • Luzernencobs, Heucobs, Esparsettencobs oder Rübenschnitzel (eingeweicht)
  • Sonnenblumenkerne
  • Äpfel
  • Karotten
  • Kohlrabi
  • Rote Beete
  • Topinambur
  • Bananen
  • weiße Rüben
  • Süßkartoffeln und normale gekochte Kartoffeln
  • Apfelessig
  • kaltgepresste Öle
  • Algen
  • Bierhefe
  • Kieselgur (Kieselerde)
  • Mais (ist neutral bis leicht basisch)


Säurebildend sind:

  • Hafer, Gerste, Weizen, Roggen, Buchweizen, Dinkel
  • Hirse (ist leicht sauer bis neutral)
  • Leinsamen (sind schwach sauer bis neutral)
  • Kürbiskerne (schwach sauer bis neutral)
  • Silage
  • Heulage


Beispiele der richtigen Fütterungsweise:

  • Beispiel 1: Wiegt das Freizeit-Pferd zum Beispiel 500 kg und erhält täglich 7,5 kg Heu und 4 kg Hafer, so kann man davon ausgehen, dass das Pferd nach spätestens einigen Jahren übersäuert ist (langfristig gesehen). Erhält dieses Pferd pro Tag 10 kg Heu und 1 kg Hafer, so ist der Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht. Zum Hafer könnte man auch noch ein wenig Futterkalk oder ein anderes Mineralfutter geben.

Sportpferde oder Kutschpferde die extrem viel Leistung erbringen müssen, dürfen tendenziell ein klein wenig mehr Hafer erhalten, als reine Freizeitpferde. Dann ist der Säure-Basen-Haushalt immer noch in Balance.

  • Beispiel 2: Das Pferd wiegt circa 350 kg und wird täglich im Schulbetrieb eingesetzt. Es erhält pro Tag 7 kg Silage und 2,5 kg Hafer. Ein deutlicher Fall von Übersäuerung. Falls kein Heu zu besorgen ist (anstatt der Silage), kann man zum Beispiel täglich zur Silage 1,5 kg eingeweichte Luzernecobs, 1,5 kg eingeweichte Heucobs und zusätzlich Bierhefe, Futterkalk und Kräuter zum Futter geben. Dies würde einen Ausgleich zur Silage herstellen.
  • Sehr gut entsäuernd ist Kieselgur (Diatomeenerde). Kieselgur kann für mehrere Monate als Entsäuerungskur gegeben werden. Das hat sich bewährt, wenn man zum Beispiel ein Pferd aus schlechter Haltung übernommen hat, welches längere Zeit falsch gefüttert wurde. Täglich werden sechs Gramm Kieselgur pro 100 kg Körpergewicht verfüttert werden. Kieselgur ist sehr gut verträglich und bindet außerdem Giftstoffe im Darm.

Kräuter für die Nieren

Übersäuerung stresst die Nieren und führt zu einer verstärkten Filtration der Nieren. Damit die aufgenommenen Säuren im Körper besser über die Nieren nach außen geleitet werden können, kann für eine gesunde Nierenfunktion gegeben werden: Goldrute, Brennessel, Zinnkraut, Mädesüßkraut. Man kann pro Tag sechs Gramm Einzelkraut pro 100 kg Körpergewicht geben, mindestens sechs Wochen lang oder bei Bedarf auch ein paar Wochen länger geben. Möchte man die Nieren-Kräuter miteinander kombinieren, dann kann man pro Einzelkraut drei Gramm pro 100 kg Körpergewicht und Tag geben.

Bitte beachten: Bei Herzerkrankungen oder Herzschwäche des Pferdes sollten entwässernde Nierenkräuter maßvoll gegeben werden, damit das Herz nicht zu sehr überlastet wird. Insgesamt sollte ein herzschwaches Pferd täglich nicht mehr als maximal sechs Gramm Nierenkräuter pro 100 kg Körpergewicht erhalten.

Kräuter für den Darm

Wenn der Darm Symptome zeigen sollte, kann man ebenfalls Kräuter geben: je nach Symptomatik können Andorn, Benediktenkraut, Odermennig, Kamille, Ringelblume, Fenchel, Mariendistelkraut und weitere Kräuter gegeben werden. Insgesamt sollte das Pferd pro Tag circa zehn Gramm Kräutermischung pro 100 kg Körpergewicht erhalten, sechs Wochen lang geben.

Kräuter für die Lunge

Falls sich bei Übersäuerung starke Symptome der Atemwege zeigen, kann man zur Kräftigung der Atemwege folgende Kräuter geben:

Eibischblätter (wirkt reizlindernd und entzündungshemmend), Fenchelsamen (erleichtert das Abhusten und löst den Schleim), Oreganum (ist krampflösend, antibakteriell und entzündungshemmend), Vogelknöterichkraut (löst den Schleim), Süßholzwurzel (erleichtert das Abhusten, ist antiallergisch. Erhöht den Cortisolspiegel im Körper, deswegen nicht bei Cushing, EMS oder bei Herzerkrankungen geben!), Knoblauch (ist antibakteriell und schleimlösend), Dillsamen (auswurffördernd), Zinnkraut (zur allgemeinen Stärkung der Atemwege), Andornkraut (unterstützt das Abhusten), Ingwerwurzel (kräftigt das Immunsystem und ist schleimlösend) und weitere Kräuter.

Von den genannten Kräutern kann man drei bis fünf miteinander kombinieren. Täglich werden pro Kraut drei Gramm pro 100 kg Körpergewicht gegeben. Die Kräuter sollten circa sechs Wochen lang unter das gewohnte Futter gemischt werden. Falls notwendig, kann man sie auch länger geben.

Kräuter für die Haut

Sollte bei Übersäuerung die Haut Auffälligkeiten zeigen, können Kräuter für einen gesunden Hautstoffwechsel gegeben werden. Hierfür eignet sich Klettenwurzel, Labkraut, Hagebutten, Zinnkraut, Mariendistelkraut und Brennessel. Pro Tag können insgesamt 10 Gramm Kräuter pro 100 kg Körpergewicht gegeben werden. Mindestens sechs Wochen lang geben oder auch über einen längeren Zeitraum verabreichen, bis sich das Hautbild gebessert hat.


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