Überbeine
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Überbeine
Überbeine sind Schwellungen, die durch Wasseransammlungen unter der Haut hervorgerufen werden. Sie können Hühnereigröße erlangen, meistens sind sie jedoch deutlich kleiner. Nicht alle Überbeine sind mit dem bloßen Auge zu sehen, manche kann man nur auf einem Röntgenbild entdecken. An den Vorderbeinen sind Überbeine meistens vorhanden, in seltenen Fällen können sie sich auch an den Hinterbeinen bilden. In seltenen Fällen führt ein Überbein dazu, dass Pferde lahmen, insbesondere dann, wenn die Lage des Überbeins ungünstig ist.
Die Ursachen
Es gibt verschiedene Auslöser für Überbeine. Zu nennen sind hier: Verletzung durch äußere Einflüsse: Zum Beispiel Schlag oder Tritt durch andere Pferde, Stellungsfehler der Hufe oder Beine (dadurch kann das Pferd sich selbst an der Innenseite der Beine streifen), abrupte und extrem schnelle Hufkorrektur (führt zu einer Knochenhautreizung und somit zu Überbeinen), schnelles und übertriebenes Anreiten junger Pferde, Ernährungsfehler (zuviel Phosphor und zu wenig Calcium im Futter), extrem scharfe Wendungen beim Reiten die immer wiederholt werden, etc.
Die konventionelle Behandlung
Kortisonpräparate können die Entzündungen eindämmen. Kühlende Umschläge, durchblutungsfördernde Gels oder Lotionen sollen den heilenden Effekt unterstützen. Als allerletzte Maßnahme kommt eine Operation in Frage, falls andere konventionelle Methoden nicht greifen.
Die phytotherapeutische Behandlung
- Bei starken Entzündungen haben sich äußerlich feuchte Umschläge mit Arnikatee bewährt. Ein Angussverband, der tagsüber oder nachts einwirken kann, kann hier schnell eine Schmerzlinderung bringen. Bei leichten oder gar keinen Entzündungen kann man auch Beinwellblättertee als Angussverband nehmen. Für den Tee berechnet man ca. 150 Gramm Kräuter/Blätter/Blüten auf 1 Liter Wasser. Beinwell fördert die Knochenheilung, regt die Kallusbildung an und wirkt leicht entzündungshemmend und schmerzstillend.
- Innerlich kann man dem Pferd Teufelskrallenwurzel geben. Täglich 30-50 Gramm der geschnittenen Wurzeln, die Nachts in Wasser eingelegt werden, mit unter das Futter geben. Die Einweichflüssigkeit sollte auch mit unter das Futter gegeben werden. Diese Kur gibt man 6 Wochen lang, 3 mal im Jahr, oder nach Bedarf. Teufelskrallenwurzel wirkt stark entzündungshemmend und leicht schmerzstillend. Die Wurzel schmeckt sehr bitter, deswegen sollte man sie mit viel Mash, Kraftfutter oder eingeweichten Rübenschnitzel verfüttern und eventuell die tägliche Dosis leicht reduzieren, damit der Geschmack akzeptabel für das Pferd ist.
- Bei totaler Fressverweigerung kann auch täglich 5 ml Teufelkrallenwurzel D 3 oder D 4 unter die Haut gespritzt werden. Die Injektionslösung bekommt man in jeder Apotheke zusammen mit den Spritzen. Durch einen Tierarzt oder einer Tierazthelferin kann man in die Spritztechnik eingewiesen werden. Vor und nach dem Spritzen sollte man auf jeden Fall ein Hautdesinfektionsmittel für die Einstichstelle verwenden. Teufelskrallenwurzel darf nicht angewendet werden bei Magengeschwüren! Wer möchte, kann anstatt Teufelskralle auch Arnika D3 oder D4 einmal täglich 5 ml spritzen. Arnika-Ampullen bekommt man in der Apotheke zu kaufen.
- Anstatt von Teufelskrallenwurzel kann man auch getrocknete Weidenrinde oder Mädesüßkraut (Spierkraut) zum Futter geben. Täglich 30-50 Gramm mit unter das gewohnte Futter geben. Diese Kur sollte auch 6 Wochen dauern und kann 3 mal im Jahr wiederholt werden. Beide Kräuter wirken ebenso leicht entzündungshemmend und leicht schmerzstillend.
- Außerdem sollte zusätzlich die Leberfunktion gestärkt werden, da die Leber ein sehr wichtiges Stoffwechselorgan ist und dies besonders wichtig für gesunde Gelenke ist. Einem Pferd können täglich 30 Gramm Löwenzahnwurzel, Löwenzahnblätter oder 30 Gramm eingeweichte Mariendistelsamen (samt Einweichwasser) gegeben werden. Eine Kur sollte 6 Wochen andauern und mindestens 2 mal im Jahr wiederholt werden.
Weitere vorbeugende Maßnahmen
- Pferde mit Überbeinen sollten in Offenstallhaltung gehalten werden oder täglich 8 Stunden Auslauf haben, da durch die Bewegung die Gelenkschmiere stetig läuft und somit weitere Knochenerkrankungen nicht begünstigt werden.
- Übermäßiges Training der Pferde sollte unterbunden werden. Regelmäßiges Reiten in sanftem Tempo ist durchaus wünschenswert, sofern das Pferd keine Schmerzen dabei hat und sich auch willig zeigt. Bei Tempo-Widersetzlichkeiten sollte man auf das Pferd Rücksicht nehmen.
- 20-minütiges warm Reiten im Schritttempo sollte auch eingehalten werden, denn erst dann läuft die Gelenkschmiere vermehrt.
- Alle 2 Monate sollten die Hufe vom Hufschmied oder Hufpfleger zugerichtet werden, um Fehlstellungen der Hufe und somit auch des Skelettes zu vermeiden.
- Übertrieben scharfe Wendungen sollten beim Reiten vermieden werden.
- Pferde sollten erst ab 4 Jahren vorsichtig angeritten werden. Ab dem 6. Lebensjahr ist das Knochenwachstum abgeschlossen und erst dann dürfen Pferde voll belastet werden, vorausgesetzt sie sind entsprechend trainiert.
- Pferde in geräumigen Paddocks, Weiden oder Ausläufen halten. Beengte Verhältnisse fördern die Trittverletzung durch andere Pferde.
- Korrekturmaßnahmen am Huf millimeterweise vornehmen und spätestens alle 6 Wochen wiederholen. Keine Brachialmethoden zur Hufkorrektur vornehmen, da dies zu einer Knochenhautreizung führen kann und somit Überbeine gefördert werden.
Die Fütterung
- Silage-Fütterung vermeiden. Insbesondere Maissilage enthält zuviel Phosphor. Dies fördert einen gestörten Knochenstoffwechsel. Lieber viel Heu verfüttern. Mit Getreidefütterung und Weizenkleie geizen. Diese enthält auch extrem viel Phosphor. Eingeweichte Rübenschnitzel enthalten viel Calcium, die die Knochen zur Gesunderhaltung benötigen.
- Kohlensaurer Futterkalk (= Ca Co 3) kann ergänzend hinzu gegeben werden zum Futter, da es extrem viel Calcium enthält. Man kann es zum Getreide oder zum Mash hinzu geben, falls man auf Getreidefütterung nicht verzichten möchte.
- Eventuell ein calciumhaltiges und Vitamin D-haltiges Mineralfutter verfüttern, muss aber nicht sein, wenn die Fütterung insgesamt stimmig ist.

